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Das Rheingold
Christoph von Dohnany baut seine Interpretation auf einem transparenten Orchesterklang auf, der eine Vielzahl an Details offenlegt. Den flüssigen Tempi stehen stellenweise erstaunlich getragene (Gewitter) gegenüber, die sich allerdings im Gegensatz zu Barenboim, zu einem dramatischen Ganzen formen. Zu bemängeln ist allerdings das Fehlen von Spontanität, wodurch der Eindruck distanzierter Kalkulation zurückbleibt. Ungeachtet persönlicher interpretatorischer Vorlieben handelt es sich hierbei um eine Sicht der Partitur, die zu respektieren ist. Gesungen wird, am heutigen Maßstab gemessen, auf durchwegs hohem Niveau. Robert Hale setzt seine ausdrucksstarke, prächtig timbrierte Stimme differenziert ein und beweist, daß auch er zu legato fähig ist. Daß die Stimme stellenweise tremoliert, ist freilich nicht zu überhören. Auch Hanna Schwarz läßt sich als Fricka nicht zu Gekeife verleiten, sondern demonstriert, daß man diese Rolle auch farbreich und auf Linie interpretieren kann. Problematisch ist der eher lyrische Loge Kim Begleys. Stimmliche Schwierigkeiten sind nicht das eigentliche Problem, auch ist seine Textverständlichkeit groß, doch bleibt die Interpretation ohne eigenes Profil. Die Phrasierung wirkt wie auswendig gelernt. Eike Wilm Schulte ist für den Donner eine erfreuliche Luxusbesetzung, ebenso wie Nancy Gustafson als Freia. Die Regenbogenbrücke, die der Froh Thomas Sunnegardh den Göttern als Weg nach Walhall weist, muß wohl gefestigter als seine Höhe sein, sonst würden sie die von den Riesen (hervorragend Jan Hendrik Rootering als Falsolt, stumpf Walter Fink als Fafner) erbaute Burg nie lebend erreichen. Peter Schreier beweist in der kleinen Partie des Mime, welch grandioser Künstler er ist. Es grenzt beinahe an ein Wunder, wie der Tenor, der als Mozart- und Bachsänger in die Interpretationsgeschichte eingehen wird, den Ton des Charaktertenors trifft. Präzise Artikulation ist ohndies selbstverständlich. Ohne Fehl und Tadel singt Franz Joseph Kapellmann einen wortdeutlichen Alberich, dem wegen des von Anfang vehementen Stimmeinsatzes eine nochmalige dramatische Steigerung im Fluch allerdings verwehrt bleibt. - während die unruhige Stimme Elena Zarembas in der Rolle der Erda wenig Freude bereitet, ergeben Gabriele Fontana, Ildiko Komlosi und Margareta Hintermeier ein homogenes Rheintöchterterzett. Decca 1995 - Der Neue MerkerDie schweigsame Frau
Geschickt inszeniert, verfehlte diese späte Opera buffa von Stefan Zweig und Richard Strauss, 1935 in Dresden uraufgeführt, auf der Bühne ihre Wirkung nicht. Aufs reine Hörvergnügen reduziert, zeigt sie sehr viele und nicht nur himmlische Längen. Da siegt das Handwerkliche in Text und Musik über wirkliche Inspiration. Natürlich beeindruckt die klassische Satztechnik, machen die zahlreichen musikalischen Anspielungen und direkten Zitate Spaß, doch der Witz bleibt immer sehr vermittelt, wirkt nie spontan. Günther Rennert hat die Schweigsame Frau 1959 bei den Salzburger Festspielen und zwölf Jahre später an der Bayerischen Staatsoper modellhaft inszeniert; lebendige Mitschnitte dieser beiden Produktionen liegen mittlerweile bei DG respektive Orfeo auf CD vor. Auch eine in Dresden entstandene Studioaufnahme der EMI unter Marek Janowski hat ihre unbestreitbaren Meriten. Angesichts des bescheidenen Repertoire-Rangs war also eine weitere Einspielung nicht unbedingt notwendig. Doch muß man der Produktion des Bayerischen Rundfunks, die bereits 1993 entstand, aber jetzt erst veröffentlicht wird, das große Kompliment machen, daß sie vom ersten bis zum letzten Takt Bühnen-Atmosphäre atmet und schon von daher mit den genannten Live-Mitschnitten konkurrieren kann. Ein Regisseur und verantwortlicher Produzent ist im Booklet merkwürdigerweise nicht genannt. Der Dirigent Pinchas Steinberg geht zupackend an das Werk heran, feuert auch, wo es vorgeschrieben ist, knallende Orchestersalven ab, respektiert aber insgesamt den intimen Charakter einer Dialog-Komödie. Und die Sänger wissen diese - auch klangtechnisch gewahrte - Balance zu nutzen. Mit dem balsamisch singenden, sein Ruhebedürfnis glaubwürdig darstellenden Sir Morosus von Kurt Moll ist schlichtweg eine Idealbesetzung gegeben, die prominente und überzeugende Vorgänger wie Hans Hotter, Kurt Böhme und Theo Adam noch übertrifft. Auch Eike Wilm Schulte, in den Figaro-Rollen Mozarts und Rossini erprobt, braucht sich als Barbier hinter einem Hermann Prey nicht zu verstecken. Deon van der Walt singt Henry mit seinem gewohnt schmalen, aber klangschönen Tenor sehr textbewusst, während Cyndia Siedens Aminta weit unpersönlicher bleibt als Reri Grist und vor allem Hilde Güden (1959). Reinhild Runkels Haushälterin ist vokal opulent, doch in der Textgestaltung eher mulmig. Da haben Georgine Milinkovic und Martha Mödl deutlich mehr Kontur. Die Komödianten sind durchweg adäquat besetzt. Koch-Classics 2002 OpernweltGurre-Lieder
Das mußte sein und das war eine glänzende Idee, gleich als Nr.1 dieser Dokumentation den Mitschnitt des grandiosen Konzertes vom Juli 2001 herauszubringen. Bedauerte man seinerzeit ohnehin sehr, daß ausgerechnet dieses Konzert nicht vom Rundfunk übertragen wurde, wo es sich ja nicht eben um ein überrepräsentiertes Werk handelt, jedoch um ein wunderschönes - so man einen "strahlenden" Tenor zur Verfügung hat. Eben daran gebricht´s den bisherigen CD-Mitschnitten etwas. Weder Schachtschneider noch Jerusalem oder Moser können sich diesbezüglich mit Ben Heppner messen. Der zeigte sich vor seiner schöpferischen Pause bei diesem Event in umwerfend guter Form. Soviel reinster, müheloser Höhenstrahl, wie man ihn von Ben Heppner nun glücklicherweise auch auf dieser Aufnahme vorliegen hat - nie mehr möchte man die Partie des Waldemar anders hören. Auch Deborah Voigt entsprach genau dem gewünschten Stimmtypus für ihre Tove, während man sich für die Waldtaube durchaus eine etwas warm-samtigere Altstimme wünschen könnte, als jene von Waltraut Meier. Eike Wilm Schulte als Bauer und Matthew Polenzani als Klaus-Narr entsprachen ebenfalls dem hohen Niveau, genauso wie der Philharmonische Chor, verstärkt durch den Herrenchor der Bamberger Symphoniker. Der etwas melodramatische Ernst Haefliger als Sprecher dürfte Geschmackssache sein. Die Münchner Philharmoniker "at their best" und auch von Maestro James Levine war es eines seiner besten Konzerte als GMD der Münchner Philharmoniker. Oehms Classics 2004 - Der Neue Merker WienWagner vom WDRHören: Lohengrin
Der Westdeutsche Rundfunk als ehrgeiziger Wagner-Opern-Produzent. Semyon Bychkov zeigt mit dem WDR-Sinfonieorchester "klare Kante", zwischen tonschlank-kraftvollen Aufbauen und leisestem Begleiten; allein romantischer Zauber fehlt. Die Sängerbesetzung gehört zur Oberklasse der jüngeren Wagner-Generation.Johan Botha ist einer der zwei, drei heute herausragenden idealen Titeltenöre mit perfekter Technik und mühelosem lyrischen Glanz. Adrianne Pieczonkas Elsa klingt leicht wolkig-distanziert; umso profilierter das "böse Paar" mit der hier gut fokussierten "Wagner-Röhre" Falk Struckmanns und Petra Langs betörendem Mezzo. Kwangchul Youns Bass-Majestät, der immer noch beste Heerrufer Eike Wilm Schulte und Qualitätschöre komplettieren die nur etwas nüchterne Großtat. Häusslerprofil 2008 - Neue Westfälische BielefeldSternstunde des BelcantoLohengrin AmsterdamDer orkanartige Applaus am Ende der Vorstellung, der schon nach dem zweiten Aufzug stürmische Dimensionen angenommen hatte, mag als Indikator dienen. Dieser konzertante Lohengrin im Amsterdamer Concertgebouw unter der Leitung von Jaap van Zweden und mit dem Filharmonisch Orchest war eine (vor allem gesangliche) Offenbarung. Ein Opernfest der Luxusstimmen: Anne Schwanewilms als traumverhangene Elsa. Klaus Florian Vogt auch ein optisch attraktiver Gralsritter. Marianne Cornetti als explosive Ortrud und Eike Wilm Schulte als belcantesker Telramund. Statt intimen Ziergesangs, wie zur Zeit an der Nederlandse Opera mit Monteverdi und Rameau, gabs mit diesem Lohengrin endlich richtig fette Oper, wie man auf Holländisch so schön sagt. Orgiastische Klangentladungen, wie sie nur bei Wagner möglich sind, vom dankbaren Publikum mit Bravo-Jubel quittiert, als handle es sich um Pubertierende bei einem Popkonzert. Die Sänger zeigten sich von solchen Ovationen überrascht und teils gerührt. Oper als Volksfest, hier war es möglich. Dieser Lohengrin sei all denen empfohlen, die Wagner nicht als teutonisches Gebelle schätzen, sondern als echten Gesang mit einem Touch "italianita". Am deutlichsten wurde das mit der Besetzung der Ortrud mit dem amerikanischen Mezzo Marianne Cornetti. Ein echte Ausnahmeleistung nach alter Tradition. Ebenfalls ganz im italienischen Stil sang Eike Wilm Schulte den Grafen von Telramund. Klangvollendet, mit leuchtenden Höhen und mit ausgeglichenem Legato, als wäre Telramund ein Bruder von Conte di Luna. Diese Art von Verdi/Wagner-Verbindung kann man als überaus glücklich bezeichnen. Anne Schwanewilms sang die Elsa mit lyrischem Jungmädchen-Ton, wundervollen, herrlich altmodischen Portamenti und zartblühenden, anrührenden Tönen. Die Höhen hatten vielfach eine gleißende Qualität, schwebten strahlend durch den Saal und klangen berückend. So war diese Elsa vor allem eine engelsgleiche Erscheinung und rein passiv am Geschehen Teilnehmende. Der Titelheld schließlich, Klaus Florian Vogt, beeindruckte durch ein einschmeincheldes mezza-voce. Verführerisch weiche Kantilene waren seine Stärke, die er voll ausspielte. Die Spitzentöne gerieten dennoch kraftvoll, die Textverständlichkeit und -gestaltung war vorbildlich. Überhaupt war es, um es einmal grundsätzlich zu sagen, eine Freude, ein Ensemble aus überwiegend deutschen Sängern zu hören, die die deutsche Sprache mit größtmöglicher Natürlichkeit bzw. Selbstverständlichkeit benutzten. Das Radio Filharmonisch Orchest bot zu diesem Sängerfest eine solide und verlässliche Begleitung, teils mit fulminanten Lautstärkensteigerungen. Dabei fehlte es den Streichern zwar etwas an Glamour, den ein vollkommener Lohengrin haben sollte. Vielleicht hat Jaap van Zweden auch nicht die Autorität, um beim ersten Anlauf dem Lohengrin den Stempel des Außergewöhnlichen aufzudrücken. Der Groot Omroepkoor erledigte seine vertrackten Aufgaben bravourös, mit schönen Chorsoli übrigens, und das alles sich zu einer Sternstunde der Oper in Amsterdam zusammenfügte, die Maßstäbe setzte. Insofern war diese Aufführung eine Mahnung an Bayreuth, daß es anders geht, und dieses Anders sehr überzeugend ist. Man könnte sagen: richtungsweisend. Quattro live 2008 Amsterdam Kultur |